Leuchtturm
Flaschenpost am Strand
Regenbogen über Dach
Sonnenaufgang Meer
Krisenbewältigung

Petition für Menschenwürde

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
meinen Dank an Sie alle, dass Sie bisher Ihr Möglichstes getan haben, damit sich COVID19 nicht zu schnell verbreitet. Bitte halten Sie sich auch weiterhin an die gesetzlichen Vorgaben.
Ich bitte Sie jedoch, genau hinzuspüren, was sich gut anfühlt und was nicht. Meine Bitte an Sie hat einen Grund. Ich möchte neben aller Wertschätzung für alles Geschaffene auch meine Sorge und meine Trauer ausdrücken. Mir fehlt in unserem Gesundheitssystem und in den anderen Gesellschaftssystemen ausreichend Zeit für fürsorgliche Zuwendung, eine Form der Menschenwürde. Und mir fehlt in der jetzigen Krise eine konstruktive Debatte mit unterschiedlichen Experten – auch das ist Menschenwürde.
Ich schreibe Ihnen diese Zeilen aus meiner persönlichen Betroffenheit als Tochter, Mutter und Oma aber auch als Expertin. Ich kenne unser Gesundheitssystem und unsere sozialen Systeme aus einer ganz anderen Perspektive.
1977 lernte ich in den Beruf der Krankenpflege und arbeitete 30 Jahre in diversen Kliniken und Pflegediensten als Krankenschwester. Ich habe tausende Patienten und Infizierte mit unterschiedlichsten Krankheiten kennengelernt. Als Ehrenamtliche in der Telefonseelsorge hörte ich viele Sorgen der Menschen. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte ich Soziologie und Soziale Verhaltens-wissenschaften und wunderte mich über die Gegensätzlichkeit von Theorie und Praxis. Während meiner Promotion an der LMU München lernte ich Gewaltstraftäter kennen und dadurch auch die tragischen Zusammenhänge von Straftaten und einer traumatischen Kindheit. Heute arbeite ich als Psychoonkologin in eigener Praxis und konsiliarisch an Kliniken.
Als alleinerziehende Mutter erlebte ich die Härte von Vorurteilen in der Gesellschaft. Mir war es dennoch (oder gerade deshalb) immer wichtig, einen liebevollen Umgang zu lernen und zu kultivieren. Und mein Einsatz für Menschenwürde hat sich immer gelohnt. Heute bin ich glückliche Mutter von zwei wunderbaren jungen Erwachsenen und glückliche Oma von zwei süßen Enkeln.
Eines ist mir klar geworden, der liebevolle Umgang ist die Basis der Menschenwürde, im privaten Leben und im Beruf. Leider ist dieser liebevolle und wertschätzende Umgang verloren gegangen – im öffentlichen Leben und in der freien Marktwirtschaft. Die schon immer engen zeitlichen Vorgaben in der Pflege wurden durch die Überforderung einer ökonomisierten Hochleistungs-Medizin noch verschärft. Die Belastungen einer Hochleistungs-Gesellschaft wirkte sich mit zunehmender Zahl von psychischen Erkrankungen noch stärker aus. Das Immunsystem leidet sehr an Überforderung und Mehrfachbelastung. Jetzt wird durch die Einschränkungen der persönlichen Kontakte das Problem nochmal deutlich verschärft.
Hier meine persönlichen Erfahrungen als Tochter, Mutter und Oma: Ich bin sehr traurig, dass sich der psychische und gesundheitliche Zustand meiner Mutter und ihre Mobilität in den letzten Wochen deutlich verschlechterte, nicht durch Corona, sondern durch die verordneten Besuchsverbots-Maßnahmen. Meine Mutter ist in einem hervorragenden Heim untergebracht, in der sowohl die Leitung als auch alle Pflegekräfte und Betreuer ihr Bestes geben und trotz der Höchstleistung viel menschliche Fürsorge zeigen. Meine Mutter lebt ganz in meiner Nähe, wir gingen vor der Krise täglich spazieren, und sie besuchte mich regelmäßig.
Durch die seit Wochen verordnete Quarantäne und die dadurch entstandenen fehlenden Anreize, verlässt meine Mutter kaum mehr ihr Bett. Ihre Depression hat sich deutlich verschlechtert, sie kann jetzt nur noch 100-200m gehen, vorher waren in langsamem Tempo 1-1,5km möglich. Meine Mutter hatte so eine Lebensfreude an ihren kleinen Urenkeln und der Familie. Sie genoss die gemeinsamen Mahlzeiten mit den anderen Senioren, jetzt isst sie alleine in ihrem Zimmer. Dadurch ist auch die Demenz weiter fortgeschritten. Trotz bester Pflege im Seniorenheim und täglicher Anrufe können wir den Verlust der persönlichen Begegnungen nicht ausreichend ausgleichen.
Bei allem, was ich über Ansteckung usw. weiß, empfinde ich es als unmenschlich und keineswegs gesundheitsfördernd, wenn ich als gesunde Tochter, Mutter und Oma meine gesunde Familie nicht besuchen darf.
Ich habe in den vergangenen Tagen mit Kollegen, Pflegekräften, Krankenkassen, Physiotherapeuten, Unternehmern, Seelsorgern und Angehörigen gesprochen.
Es muss einen besseren Weg geben, als eine angstgetriebene Gesellschaft zu entwickeln und durch Fokussierung auf eine Erkrankung massenhafte Verelendung in anderen Bereichen zu riskieren!
Wenn Menschen nicht mehr über ihre Freiheit und ihre Kontakte frei entscheiden können, dann ist Menschenwürde auch immer weniger spürbar. Im Grundgesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dienen Angst und Zwangsmaßnahmen der Menschenwürde? In der Pflege gilt: sicher, satt und sauber – aber das reicht nicht.
Zwangsmaßnahmen fördern zwar kurzfristig ein besseres Funktionieren der Systeme, führen aber langfristig zu einer Verschlechterung der wertschätzenden Kommunikation. Zwangsmaßnahmen fördern Denunziantentum auf der einen Seite und das Verschweigen von Verfehlungen auf der anderen Seite. Wie sich Zwang und Verschweigen in Systemen wechselseitig zuspitzen können, wurde bei der Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsskandale eindrücklich belegt.
Ich wünsche mir, in einer Gesellschaft zu leben, in der Menschenwürde nicht nur als Recht in der Verfassung steht, sondern im Alltag gelebt und erfahrbar ist. Wir brauchen mehr als einen funktionierenden Staat, wir brauchen Vorbilder für Menschenwürde, Selbstfürsorge und Selbstverantwortung. Wir benötigen eine spürbare Verbindung zur Natur, eine Perspektive für die Zukunft und eine wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe in allen Gesellschaftsbereichen.
Dafür engagiere ich mich in der Zukunft noch intensiver, damit auch meine Enkel in einer lebenswerten Welt leben können.
Es gibt viele Methoden Menschenwürde im täglichen Leben zu fördern: wertschätzende Kommunikation, Etablierung einer konstruktiven Fehlerkultur, individuelle und kollektive Krisenbewältigung, Selbstfürsorge, emotionale Stabilisierung, Gesundheitsförderung, Konfliktlösung, Etablierung lernender Systeme, um nur einige zu nennen.
All diese Maßnahmen tauchen nur minimal im Maßnahmenkatalog und der praktischen Arbeit des Bildungssystems, in der Medizin oder der Gewaltprävention und der Gefangenennachsorge auf. Softskills werden nur marginal vermittelt und sollen entweder in der Familie oder in Eigenregie erlernt werden.
Wir lernen und lehren in der Pflege, wie die eigenen Ressourcen effektiv genutzt werden können. Es werden jedoch die Zeit und das Geld gestrichen, so dass diese Maßnahmen und Lehrinhalte überflüssig sind. Es wäre um einiges leichter, sparte finanzielle und personelle Ressourcen, wenn die Bürger liebevolle und wertschätzende Achtung von anderen und der Natur erlernten.
Ich habe vor einiger Zeit ein Krisentool entwickelt, mit dem sich Personen und Unternehmen in nur 30 Minuten selbst evaluieren können, wie krisensicher sie sind.
Um Softskills und persönliche Ressourcen besser zu nutzen, ist eine Anfangsinvestition üblich, diese Investition zahlt sich jedoch in vielerlei Hinsicht langfristig und mehrfach aus: gesündere Gesellschaft, weniger Burnout, eigenverantwortliche Bürger und Mitarbeiter, Rückgang von Suchterkrankungen und Materialverschwendung, weniger Medikamente, weniger Kriminalität, weniger aufwändige technische Diagnostik und überflüssige Operationen, gesündere Senioren, höhere Zufriedenheit der Bürger mit der Politik.
Gerne lasse ich Sie an meinen Erfahrungen und meinen Kenntnissen im Gesundheitssystem teilhaben.
Ich biete Ihnen Möglichkeiten, diese ressourcenschonenden Ansätze kennenzulernen, ich kann Ihnen zahlreiche Experten und Spezialisten nennen, die für den Aufbau einer Ressourcen schonenden und Ressourcen nützende Zukunft geeignet sind. Und ich lade Sie ein: melden Sie sich, damit wir gemeinsam überlegen können, wie wir als Bürger Menschenwürde erleben und gestalten können.
Dieses sehr private Bild von meiner Mutter und meinem Enkel, veröffentliche ich bewusst, weil es zeigt, was Liebe möglich macht. Meine Mutter hatte mit 88 Jahren eine schwere Sepsis, wo niemand glaubte, dass sie diese überleben würde. Mein kleiner Enkel hat es geschafft, ihren Lebensmut und ihren Lebenswillen wieder zu wecken.

Mutter-Gertrud-Müller

Liebe ist die größte Heilkraft, leider nützen wir sie viel zu wenig, weil wir Tabletten, Schutzanzügen und moderner Diagnostik mehr vertrauen. Informieren Sie sich gern über mich und meine Arbeit unter www.tools4life.eu.
Ich möchte mit dem ersten Satz vom „Hohen Lied der Liebe“ schließen: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“
Ich danke allen Mitmenschen, die sich nach Liebe sehnen und liebevoll handeln.
Dr. Gertrud Müller